Abstinenznachweis für die MPU

Parallel zur Vorbereitung auf das Psychologische Untersuchungsgespräch der MPU sind bei Alkoholmissbrauch oder einer Drogenproblematik Abstinenznachweise entweder durch Urinkontrollen oder Haaranalysen unumgänglich und müssen zur MPU vorgelegt werden.

Bei einer Alkoholproblematik muss unterschieden werden:

Alkoholgefährdung liegt in der Regel vor, wenn sich bei gesellschaftlichen Anlässen die Trinkmengen steigern und häufiger zum Glas gegriffen wird. Meist dient jedoch das Trinken als Ausgleich zum alltäglichen Leben, wie z.B. das "Feierabendbier". Alkoholgefährdung definiert sich aus der Menge und der Situation unangemessenen Konsums. Hier kann noch kontrolliertes Trinken angewendet werden und ist eher für jüngere Menschen bis maximal 30 Jahre alt zu empfehlen. deren BAK unter 2,0 Promille lag oder die zwei Alkoholfahrten unter 1,6 Promille hatten.

Alkoholmissbrauch, auch "Schädlicher Gebrauch" genannt, liegt dann vor, wenn der Alkoholkonsum zu einer Gesundheitsschädigung (körperlich oder psychisch) führt oder ein unangepasstes Konsummuster aus mindestens einer der folgenden Kriterien besteht:

  • das Fortsetzen des schädlichen Gebrauchs, trotz des Wissens um ein ständiges oder wiederholt soziales, berufliches, psychisches oder körperliches Problem, das durch den Alkoholkonsum verursacht oder verstärkt wird

  • wiederholter schädlicher Gebrauch in Situationen, in denen der Gebrauch eine körperliche Gefährdung darstellt

  • einige Symptome bestehen seit mindestens einem Monat oder sind über eine längere Zeit wiederholt aufgetreten

  • wenn die Kriterien für Abhängigkeit nicht erfüllt sind

Hier kann ebenfalls noch das Kontrollierte Trinken mit 6monatiger "Trainingszeit oder 6 Monate Alkoholabstinenz durch Urinkontrollen oder durch Haaranalyse angewendet werden. Bei mehrfacher Trunkenheitsfahrt ist es anzuraten, 12 Monate Abstinenz nachzuweisen; bei Trunkenheitsfahrt über 2,0 Promille sind Abstinenznachweise über 12 Monate empfehlenswert.



Alkoholabhängigkeit liegt dann vor, wenn mind. 3 der folgenden Punkte mit "Ja" beantwortet werden:

  • Entzugserscheinungen treten auf (Schwitzen, Schlaflosigkeit, Zittern, Krämpfe)

  • Es wird mehr und mehr Alkohol für den Rauschzustand benötigt.

  • Es wird Alkohol konsumiert, um die Entzugssymptome zu mildern.

  • Es besteht ein starker Wunsch und eine Art Zwang zum Alkoholkonsum.

  • Es besteht eine verminderte Kontrollfähigkeit über Trinkmenge, Beginn und Ende.

  • Alkohol wird auch zu unüblichen Gelegenheiten getrunken.

  • Der Alkoholkonsum besteht fort, obwohl man um die schädliche Wirkung weiß.

  • Vergnügen oder Interessen werden wegen des Alkoholkonsums vernachlässigt.

In diesem Fall sollte eine abgeschlossene Therapie und mind. eine darauffolgende 12 monatige Abstinenz belegt werden.

Der Mischkonsum von Alkohol und Drogen erfordert in der Regel ein Jahr Abstinenznachweis.

Bei einer reinen Drogenproblematik muss unterschieden werden:

Von einem ausschließlich gelegentlichen Cannabis-Konsum kann ausgegangen werden, wenn tatsächlich keine Hinweise für eine andere Problematik sprechen. Es muss eine mind. 6 monatige Abstinenz belegt werden. Meist wird aber durch den Gutachter eine 12-monatige Abstinenz gefordert.

Bei einem THC-Wert unter 1 ng/ml unterbleibt meist, falls nur gelegentlicher Konsum festgestellt wird (THC-COOH größer als 100 ng/ml, aber kleiner 150 ng/ml) und keine weiteren erschwerenden Momente (wie etwa der Konsum von Alkohol) vorliegen, die Anordnung einer MPU. Liegt der THC-Wert zwischen ein und zwei Nanogramm pro Milliliter und ist regelmäßiger Konsum durch mindestens 150ng/ml THC-Carbonsäure belegt, dann erfolgt eine MPU-Anordnung. Bei mehr als 2ng/ml wird in allen Fällen, d.h. auch bei geringer THC-Carbonsäure eine MPU angeordnet.

Wird eine MPU wegen Cannabis am Steuer angeordnet, so muss man sich einem Drogenscreening unterziehen. Dieses kann mit Hilfe von Urinkontrollen oder Haaranalysen durchgeführt werden. Der Nachweiszeitraum völliger Drogenabstinenz kann unterschiedlich sein. Er richtet sich danach, mit welchem THC-Wert man aufgefallen ist. Bei einem THC-Wert über 2ng/ml muss der Betroffene mindestens ein Jahr ohne Drogen nachweisen können.

Von einer Drogengefährdung spricht man, wenn häufiger oder gewohnheitsmäßig ausschließlich Cannabis und / oder gelegentlich eine Droge mit einer höheren Suchtpotenz und Gefährlichkeit als Cannabis konsumiert wurde. Es muss eine mind. 12 monatige Abstinenz belegt werden.

Von fortgeschrittener Drogenproblematik spricht man, wenn ein missbräuchlicher Konsum von verschiedenen Drogen - auch gleichzeitig - oder der Konsum hoch suchtpotenter Drogen vorliegt. Es muss eine mind. 12 monatige Abstinenz belegt werden.

Bei einer Drogenabhängigkeit muss davon ausgegangen werden, dass bereits eine Therapiemassnahme und dementsprechende Befunde der letzten 12 Monate während der Begutachtung vorliegen. Es muss eine Problembewältigung zu einer stabilen Drogenabstinenz entstanden sein. Es wird zusätzlich eine Alkoholabstinenz gefordert.

 

Abstinenz nachweisen mit Urinanalyse oder Haaranalyse

 Das Programm zum Nachweis von Alkoholabstinenz beruht auf dem laborchemischen Nachweis von EtG im Urin. EtG (Ethylglucuronid) ist ein Abbauprodukt von Alkohol. Wird bei mehreren, kurzfristig anberaumten Kontrollen kein EtG gefunden, ist das ein sehr deutlicher Hinweis darauf, dass in den Tagen vor der Urinabgabe kein Alkohol getrunken wurde. Mehrere kurzfristig durchgeführte Laborkontrollen geben somit Hinweise auf die eingehaltene Abstinenz.

Die Abstinenzdokumentation für Führerscheinfragen sollte in der Regel über einen Zeitraum von einem halben Jahr (vier Kontrollen) oder einem ganzen Jahr (sechs Kontrollen bei Mehrfachauffälligkeit oder Auffälligkeit von mehr als 2 Promille) durchgeführt werden.

Der Nachweis Alkohol oder Drogen im Haar kann meist nur für einen Zeitintervall von drei Monaten erfolgen. Daher eignet sich die Haaranalyse für Personen, die bereits vor Vereinbarung eines Abstinenz-Checks über einen längeren Zeitraum abstinent leben und durch die Haaranalyse maximal drei Monate Zeit einsparen möchten. Beim Konsum von Betäubungsmitteln (Drogen, Medikamente und Alkohol) gelangen die Stoffe über den Blutkreislauf in die Haarpapillen. Dort lagern sich die Abbauprodukte während des Verhornungsprozesses in der Haarstruktur ein. Mit dem Haarwuchs wandern sie nach 9-14 Tagen an die Hautoberfläche und können dann in den Haaren laborchemisch nachgewiesen werden.

Bei der Haaranalyse werden von einem Arzt am Hinterkopf zwei bleistiftdicke Haarstränge direkt am Haaransatz abgeschnitten und zur Analyse ans Labor weitergegeben.

Im Gegensatz zu den kurzfristig durchgeführten Urinchecks werden hier die Termine bereits im Vorfeld vereinbart.

WICHTIG: Lassen Sie sich über den Ablauf und Ihre Verhaltensweisen (z.B. den Gebrauch oder Konsum ergebnisverändernder Stoffe) umfassend aufklären, damit negative Überraschungen ausbleiben. Nach einem positiven (also für Sie negativen) Nachweisergebnis beginnt die Abstinenznachweiszeit wieder ganz von  vorn.                                                                                                                        

Kosten Haaranalyse Drogen oder Alkohol:

Die Drogen-Analyse kostet bei den MPU-Stellen zwischen 199,90 € und 299,90€   Die Alkohol-Analyse liegt bei den MPU-Stellen zwischen 169,00 € und 275,00€

Kosten EtG-Test bzw. Drogentest im Urinkontrollprogramm:                                                                                                                                                                           EtG-Test im Urin kostet pro Kontrolle 57,00 €                                                            Drogen-Test im Urinprogramm kostet pro Kontrolle 73,00 €                                     zusätzlich werden Transportkosten von 20,00 € erhoben