Kontrolliertes Trinken oder Abstinenz?

Diese Entscheidung hängt von verschiedenen Bedingungen ab (z.B. Höhe Ihres ‰-Wertes, Erst- oder Wiederholungstat, Lebensalter). Erst wenn alle Details Ihres Falles bekannt sind, kann eine genaue Aussage getroffen werden.

Dieses Kontrollierte Trinken ist meist für alle Alkohol-MPU-Kandidaten sehr nah an dem, was für sie auch gleich Abstinenz bedeutet. So unrealistisch niedrig und verbissen Ihnen die Vorgaben für Kontrolliertes Trinken auch erscheinen mögen: Es ist die kostengünstigste und am wenigsten radikal limitierte Weise, um die Alkohol-MPU zu schaffen - und oft auch der Strohhalm, nach dem alle die greifen, die sich viel zu spät um die Vorbereitung gekümmert haben und jetzt nicht mehr genug Zeit für einen Abstinenznachweis haben.

Die berühmt-berüchtigten Leberwerte: Von der Norm des gesunden Menschen abweichende Leber-Messwerte können ein Indiz für eine Leberschädigung durch lang anhaltenden Alkoholkonsum sein. Normgerechte Leberwerte werden in der MPU als günstig angesehen. Für abweichende Leberwerte sollten Sie unbedingt einen medizinisch stichhaltigen Grund bringen können (z.B. eine Infektion, natürlich vom Arzt bestätigt und im Original unterschrieben).

Die Leberwerte gelten für sich alleine nicht als aussagekräftiger Beweis für einen niedrigen Alkoholkonsum, denn es gibt auch Menschen, die trotz größerem Alkoholkonsum unauffällige Leberwerte haben.

Ich empfehle : Wer sich für das Kontrollierte Trinken entscheidet, sollte als Erstes seine Leberwerte (GOT, GPT, GGT)  testen lassen haben (kann man beim Hausarzt machen; er muss diese Befunde aber unterschreiben, was oft vergessen wird!). Sollte insbesondere der GGT-Wert erhöht sein, werden Sie erfahrungsgemäß nicht um einen Abstinenznachweis herumkommen, da nicht mit Sicherheit belegbar ist, ob diese Erhöhung krankheits-, medikamenten- oder alkoholbedingt  ist. Nur durch einen Abstinenznachweis durch Urin- oder Haaranalysen können Sie einen Alkoholverzicht nachweisen. Sind die Leberwerte in Ordnung sind 2 - 3 weitere Leberwertekontrollen mit ca 4 wöchigen Abständen kurz vor der MPU hilfreich. Gewonnen haben Sie damit aber noch nichts. Es ist lediglich eine kleine Geste, mit der Sie zeigen, dass Sie sich gekümmert haben, mehr nicht. Aber auch wenn Sie zur MPU keine Leberwerte mitbringen, fallen Sie deswegen nicht durch.

Nebenbei bemerkt: Ein Kontrolliertes Trinken ist keine alltägliche Verhaltensweise. Es ist ein Konstrukt, das typisch verhaltenspsychologischem Denken entspringt: (Selbst-)Kontrolle überall. Deshalb geht der MPU-Gutachter ganz richtig davon aus, dass man diese Verhaltensweise erst lernen oder antrainieren muss, damit es stabil bleibt. Auch hier werden deshalb mindestens 6 Monate Erfahrung damit vorausgesetzt. Da es dafür aber natürlich keinen Nachweis gibt, ist es deshalb Ihre Aufgabe, das »so rüber zu bringen«, dass Sie dem Gutachter keinen Anlass zum Zweifel geben.

Letztendlich ist aber in den Beurteilungs-Richtlinien ausdrücklich nur genannt, dass ab 2,0 ‰ auf jeden Fall von schwerem Alkoholmissbrauch oder Alkohol-Abhängigkeit ausgegangen werden muss mit entsprechenden Konsequenzen (mindestens 12 Monate Abstinenz-Nachweis usw.). Nach meiner Erfahrung liegen die realistischen Aussichten auf positive MPU mit Kontrolliertem Trinken bis etwa 1,99 ‰. Da bewegt man sich aber schon auf sehr dünnem Eis.

Auch das Lebensalter spielt eine wesentliche Rolle spielt. Einem 20-Jährigen gesteht man Alkohol-Missbrauch in gewissem Umfang noch in jugendlicher Unvernunft zu. Er ist  in diesem Alter ist noch leichter »formbar«. Ein 58-Jähriger mit derselben Trinkmenge wird wesentlich kritischer betrachtet, weil die Statistik zeigt, dass in diesem Alter wesentlich hartnäckiger an der gewohnten Trinkmenge festgehalten wird. In dem Fall spielt die so genannte Trinkhistorie eine wichtige Rolle. Kontrolliertes Trinken wird in diesem Alter nicht ganz leicht durch zu kriegen sein.

Ebenso ist es für jemanden, der schon zum zweiten Mal wegen Alkohol auffällig wurde. Er hat ja gerade selbst bewiesen, dass er die Teilnahme am Straßenverkehr und den Alkohol-Konsum nicht trennen kann. Trotz eines gewissen Ermessensspielraums des MPU-Gutachters geht die Tendenz da deutlich in Richtung Abstinenz. Wenn Sie also schon zum wiederholten Mal mit Alkohol auffällig geworden sind und vielleicht dazu hin auch nicht mehr der Jüngste sind, ist die Entscheidung für Abstinenz (mindestens 6 Monate mit forensischen Nachweisen) auf jeden Fall der sicherere Weg. Noch häufigere Auffälligkeiten mit Alkohol im Straßenverkehr (auch kleine Mengen!), fordern zwingend Abstinenz mit 12 Monaten Nachweisdauer.

Wenn für Ihren Fall nicht zwingend Abstinenz vorgeschrieben wird, ist es nach meiner Erfahrung meistens der leichtere und schnellere Weg, wenn Sie mit kontrolliertem Trinken zur MPU gehen. Man wird Ihnen zwar etwas intensiver auf den Zahn fühlen, aber mit richtiger Vorbereitung und stimmiger Argumentation ist das schon hinzukriegen. Der Vorteil ist, dass Sie normalerweise mit 6 Monaten auskommen und auf die lästigen und nicht gerade billigen forensischen Nachweise verzichten können.

In der Alltagssprache kommt dieser Begriff aus der MPU nicht vor. Dahinter steckt die Tatsache, dass Sie fahren und trinken nicht getrennt haben, also unkontrolliert getrunken haben und deshalb jetzt zur MPU antreten müssen. Der Alkoholkonsum alleine hätte niemanden interessiert, wenn Sie nicht ausgerechnet auf die Idee gekommen wären, dann noch zu fahren. Es war ganz allein Ihre Entscheidung! Niemand hat Sie dazu gezwungen. Und viele Verkehrsteilnehmer, die einmal damit auffällig geworden sind, zeigen auch in Zukunft weiter dieses Verhalten. Der Gutachter darf Ihnen deshalb nur dann ein positives Gutachten geben, wenn Sie ich dieser Verkehrsgefährdung bewusst geworden sind und mindestens eine »deutliche Kontrolle« eingebaut haben. Das ist das so genannte kontrollierte Trinken:

Sie trinken nur so viel, dass noch keine alkoholtypische Auswirkung zu befürchten ist, die Sie »auf dumme Gedanken« kommen lassen könnte, und das sind nicht mehr als ungefähr 0,3 ‰ Blutalkohol-Konzentration.

Sie trinken nicht spontan, sondern nur zu wenigen, ungefähr 10-12 Anlässen, die Sie schon vorher kennen und planen können. Ihr Umgang mit Alkohol soll jetzt immer eine durch und durch überlegte Angelegenheit sein.  Es darf nicht unbemerkt wieder allmählich zu einer Gewöhnung kommen.

 


Wann wird Alkoholkonsum riskant?

 

Sie trinken regelmäßig Alkohol? Gerne mehr als ein oder zwei Gläser Bier oder Wein? Dann liegt Ihr Trinkverhalten im riskanten Bereich, was bedeutet, dass Ihr Körper dauerhafte Schäden davon tragen kann. Wer unterhalb der Schwelle des riskanten Alkoholkonsums bleibt, kann das Risiko eingrenzen. Die negativen gesundheitlichen Folgen des Alkohols bleiben gering, wenn man eine bestimmte Alkoholmenge nicht überschreitet. Hierfür gibt es Grenzwerte.

 

Grenzwerte für risikoarmen Konsum

 

Der gesundheitlich unbedenkliche Alkoholkonsum liegt bei gesunden erwachsenen Frauen bei 12 Gramm, das heißt bei etwa einem Standardglas Alkohol am Tag. Für gesunde erwachsene Männer liegt diese Grenze bei 24 Gramm Alkohol pro Tag, das sind etwa zwei Standardgläser. Wenn Sie als Frau mehr als 0,1 Liter Wein oder Sekt, mehr als 0,25 Liter Bier oder 4 Zentiliter Schnaps pro Tag trinken, bewegen Sie sich also bereits in einem gesundheitlich riskanten Bereich. Für Männer gilt die doppelte Menge. Egal, ob Mann oder Frau: Sie sollten an mindestens zwei Tagen in der Woche gar keinen Alkohol trinken.

 

Trinken bis zum Rausch

 

Eine in der Öffentlichkeit viel diskutierte riskante Trinkgewohnheit ist das sogenannte Binge Drinking oder Rauschtrinken. Binge Drinking bedeutet, dass Sie bei einer Trinkgelegenheit vier (gilt für Frauen) bzw. fünf (gilt für Männer) und mehr alkoholische Getränke zu sich nehmen.

 

Wenn Sie bis zum Rausch trinken – auch wenn es nur gelegentlich vorkommt –, erhöht sich Ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich. Während eines Rausches steigt außerdem die Gefahr eines Schlaganfalls sowie von Herzrhythmusstörungen.

 


Weitere potenzielle Folgen von riskantem Alkoholkonsum

 

Welche weiteren Risiken bergen derartige Trinkgewohnheiten und ein gelegentlich zu hoher Alkoholkonsum für Sie? Welche Folgen hat ein Rausch?

  • Ihr Gehirn wird geschädigt. Bei jedem Rausch sterben Millionen von Gehirnzellen ab.

  • Die Wahrscheinlichkeit für Alkoholunfälle im Verkehr oder am Arbeitsplatz steigt mit zunehmendem Alkoholkonsum steil an.

  • Alkohol ist vielfach der Auslöser von Aggression und Gewalt gegen andere. Mehr als ein Viertel aller Gewalttäter steht nach polizeilichen Erkenntnissen unter Alkoholeinfluss. Als alkoholtypische Vergehen gelten Körperverletzung, Totschlag, Vergewaltigung, Kindesmisshandlung und häusliche Gewalt.

  • In alkoholisiertem Zustand riskieren Sie, selbst ein Opfer von Gewalt oder Verbrechen zu werden.

  • Aufgrund der betäubenden Wirkung von Alkohol kann es zu Verletzungen, Verbrennungen und Erfrierungen kommen.

  • Im Rausch steigt ebenfalls die Risikobereitschaft zu ungeschütztem oder gar ungewolltem Geschlechtsverkehr.

 

Alkoholkonsum kann bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten sehr gefährlich werden. Die Wirkung eines Medikaments kann aufgehoben oder die des Alkohols um ein Vielfaches gesteigert werden. Die Folge können Herz-Kreislauf-Probleme oder Vergiftungen sein. Besonders gefährlich ist die Kombination von Alkohol mit psychisch wirkenden Medikamenten, vor allem Beruhigungsmitteln